Colin M. Krüger, re., moderiert die Paneldiskussion zur Zukunft der Robotik in der Medizin.

Chirurgie Rüdersdorf mit Robotik-Konferenz bei der Berlin Science Week

Am 9. November veranstaltete die Immanuel Klinik Rüdersdorf gemeinsam mit der Dennis Gabor Gesellschaft für wissenschaftliche Zusammenarbeit eine Robotik-Konferenz im Rahmen der Berlin Science Week in der Botschaft von Ungarn. Federführend war Chirurgie-Chefarzt Dr. med. Colin M. Krüger. Christina Rado, zuständig für medizinische Kooperationen und Netzwerke der Abteilung Chirurgie, schildert, wie sie die Konferenz erlebt hat und warum der roboterassistierten Chirurgie die Zukunft gehört.

Von Christina Rado

Um 16 Uhr betreten wir ungarisches Staatsgebiet. Wir haken unsere Namen in der Gästeliste ab, und die Empfangsdame am Eingang der Botschaft von Ungarn weist uns den Weg zum Festsaal im ersten Stock des Gebäudes in exquisiter Lage: rechts das Brandenburger Tor, gegenüber das Hotel Adlon, zu unseren Füßen die schönste Allee Deutschlands, Unter den Linden.

Eigentlich ist es ein Zufall, dass ausgerechnet am 9. November, am Tag des Mauerfalls, zum internationalen Gedankenaustausch eingeladen wurde. Doch die etwa einen Steinwurf entfernten architektonischen Zeitzeugen des Ereignisses sowie die Eröffnungsrede des ungarischen Botschafters lassen eine demütige Atmosphäre aufsteigen.

„In gewisser Weise hat Ungarn den ersten Stein aus der Mauer geschlagen“, sagt der ungarische Botschafter, Seine Exzellenz Dr. Péter Györkös, und zeigt auf das von hier aus gut sichtbare Brandenburger Tor. Die rhetorische Brücke zum Leitgedanken der Konferenz ist damit geschlagen, da der internationale Austausch auch heute Abend im Vordergrund stehen soll.

Internationaler Austausch der Chirurgie-Szene
Gastgeber der Veranstaltung ist zugleich die Dennis Gabor Gesellschaft, ein Gremium aus angesehenen deutschen und ungarischen Wissenschaftlern mit dem Auftrag, den internationalen wissenschaftlichen Austausches zu fördern.

Vier hochkarätige Referenten tragen zu einem zukunftsweisenden Thema, der roboterassistierten Chirurgie, vor. Moderiert wird die Veranstaltung von Professor Alfred Holzgreve, Präsident der Dennis Gabor Gesellschaft.

Die Auftaktpräsentation zieht die etwa 75 Teilnehmer aus der Berlin-Brandenburgischen Chirurgie-Szene sowie internationale Gäste sofort in ihren Bann. Dr. Balázs Lőrincz ist daVinci-Chirurg im Anwendungsgebiet der Kopf- und Halsregion und verfügt über eine breite Expertise, nicht zuletzt dank mehrerer beruflicher Stationen im Ausland, darunter Australien, Norwegen und England. Wir erfahren, welche konkreten Vorteile die Robotik für Patienten durch extrem verkürzte Operationszeiten, kaum sichtbare Narbenbildung und geringen Blutverlust mit sich bringt. Vor allem die Kopf- und Halsregion ist von einem dichten Netz von Nerven und Blutbahnen durchwoben. Besonders hier ist es ein großer Hinzugewinn, dass das daVinci-Operationssystem den Tremoreffekt der Hand des Chirurgen herausrechnet und so ohne jede Nebenbewegung arbeitet.

Wettbewerbsfähig bleiben
Stefan Kürbis, Vizepräsident für globales Human Resource und Innovationsmanagement bei World of Medicine, berichtet aus Sicht der Medizintechnik über die Zukunft robotisch assistierter Chirurgie. Er ist überzeugt, dass Krankenhäuser in Deutschland um eine Investition in die Robotik-Technologie nicht herum kommen werden, wenn sie wettbewerbsfähig und auch in fünf Jahren attraktiv gegenüber Patienten und Mitarbeitern bleiben wollen. Bei der Besetzung von Chefarztpositionen spielen bereits heute Robotik-Kompetenzen eine entscheidende Rolle.

Stefan Kürbis prognostiziert zudem eine zukünftige massive Konkurrenz unter Systemherstellern und damit verbunden sinkende Anschaffungskosten. Außerdem werde die Medizintechnik indikationsspezifisch unterschiedliches Equipment anbieten, wie etwa die Single-Port-Technologie, bei der zwei Instrumente und eine Kamera durch einen 22 Millimeter breiten Zugang in den Körper eingeführt werden. Diese Methode bietet eine Lösung für Operationen, die auf kleinem Raum und standardisiert erfolgen, wie beispielsweise Eingriffe an der Galle.

Vier Millionen Patienten mit daVinci operiert
Dr. Colin M. Krüger, Chefarzt der Abteilung für Chirurgie an der Immanuel Klinik in Rüdersdorf, beginnt seine Präsentation mit brandaktuellen Marktdaten zur robotisch assistierten Chirurgie: 4.180 Systeme sind weltweit gegenwärtig im Einsatz, davon etwa 2.000 in Europa mit 105 daVincis in Deutschland. Mittlerweile sind weltweit vier Millionen Patienten mit dem daVinci operiert und mehr als 34.000 Ärzte an ihm ausgebildet worden.

Die Präsentation verdeutlicht, dass eine einseitig medizinisch geführte Diskussion zur robotisch assistierten Technologie der Komplexität der Herausforderungen nicht gerecht wird. Ein daVinci-Arzt muss inzwischen vielfältige Kompetenzen verinnerlichen, wie zum Beispiel IT- und Systemtechnologie, Logistik, Prozessverständnis, Kundenorientierung und strategische Personalentwicklung. Das Management des Hauses sorgt unterdessen dafür, dass die fachspezifischen Indikationen systematisch ansteigen, befähigt sein Personal und baut Kommunikationsmaßnahmen aus, die über das geografische Versorgungsgebiet hinausreichen.

Die abschließende Paneldiskussion macht deutlich, dass die Implementierung roboterassistierter Chirurgie keine einspurige Maßnahme ist, sondern dass Kliniken in gut trainierte OP-Teams investieren müssen und dass wir endlich die interdisziplinären Möglichkeiten der robotisch assistierten Systeme in der Medizin aufgreifen und in die vorhandenen Managementstrukturen integrieren müssen.

Patienten werden immer informierter, mündiger und serviceorientierter. Dieser Trend setzt sich in exponentieller Schnelligkeit fort. Wenn Kliniken keine spürbaren und sichtbaren Vorteile in Zukunft anbieten können (narbenfreie, schonende, kurze, blutarme Operationen), sucht der Kunde schlicht und ergreifend einen anderen Gesundheitsdienstleister auf. Auf jeden Fall freuen wir uns auf die nächsten Entwicklungsschritte und Impulse in der Medizin, getrieben durch den gesundheitsbewussten Patienten.

Christina Rado ist für medizinische Kooperationen und Netzwerke für die Abteilung Chirurgie an der Immanuel Klinik Rüdersdorf zuständig. Sie hat die Robotik-Konferenz in der Botschaft von Ungarn mit organisiert.

Christina Rado ist Koordinatorin für medizinische Kooperationen und Netzwerke für die Abteilung Chirurgie an der Immanuel Klinik Rüdersdorf und Mitglied der Dennis Gabor Gesellschaft. Sie hat die Robotik-Konferenz in der Botschaft von Ungarn in Berlin initiiert..

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