Begegnungen mit und im Diakonie-Hospiz Wannsee

Während der diesjährigen, der 19. Berliner Hospizwoche lud das Diakonie-Hospiz Wannsee am 28. September zu einem Tag der offenen Tür in seine Räume ein. Nur wenige Tage später feierte man das 20-jährige Bestehen des ambulanten Hospizdienstes. Aus diesem Anlass lud das Diakonie-Hospiz am 4. Oktober zu einer Abendveranstaltung in die Räume der benachbarten Baptistengemeinde ein. Persönliche Eindrücke von ersten Begegnungen mit dem Diakonie-Hospiz Wannsee.

Der Besuch des Tags der offenen Tür wie auch der Jubiläumsveranstaltung am 4. Oktober war für mich zunächst ein beruflicher Termin, denn als neue Mitarbeiterin in der Unternehmenskommunikation stehe ich noch ganz am Anfang, die zahlreichen Einrichtungen der Immanuel Diakonie, ihre Mitarbeiter, die vielen Arbeitsgebiete und Standorte, kurz: den gesamten Immanuel-Kosmos kennen zu lernen. Aber geht man mit rein beruflichen Absichten in ein Hospiz?

Theatergruppe

Man schaut sich um, macht sich ein paar Notizen für den nächsten Tag am Schreibtisch, lernt Kollegen kennen? Kommt man nicht auch ein wenig ins Nachdenken über das eigene Leben – und Sterben(müssen) – und über das von nahe stehenden Menschen? Zur Jubiläumsveranstaltung begrüßte die Geschäftsführerin Angelika Behm und anschließend hielt Pfarrer i.R. Kurt Kreibohm eine kurze Andacht. Dann begann der eigentliche Abend, ein Theaterstück unter dem Titel „Bertha, stirb endlich!“. Es sollten der Tod und das Sterben im Hospiz verhandelt werden. Das alles aber auf eine lustige, lockere Art und so schickt in dem Stück ein Vampirclan eine sterbenskranke Angehörige in das Hospiz Sternentreppe, wo es mit dem Sterben zwar nicht gleich klappt, der Service aber top ist.

Verdrängung, Ausblendung, Aufschieben, Tabu – all dies kennzeichnet unseren Umgang mit dem Lebensende

Die Andacht wie auch das Theaterstück hatten zum Thema, wie wir am Leben hängen, wie wir dessen Ende ausblenden und die Unabänderlichkeit des Todes mitunter noch nicht einmal akzeptieren wollen. Wir alle wissen um das Sterben, um die scheinbare Ungerechtigkeit, wenn einem Menschen ein nur kurzes Leben vergönnt oder der Tod einsam und qualvoll ist. Doch sind wir eben auch Meister im Verdrängen. Unser Alltag ist schließlich mit anderen, wichtigeren Dingen gefüllt. Und irgendwie wird sich dann, wenn es mal so weit sein sollte, schon alles finden und irgendjemand kümmern …

Im Hospiz ist der Tod dagegen ein ständiger Begleiter. Es gibt kein Verdrängen mehr und kein Aufschieben. Wie die „Totengräber“ in dem Theaterstück kommt der Tod hier immer wieder und beendet ein Leben. Eine Kerze wird angezündet vor jedem Raum, in dem ein Leben zu Ende ging. So berichtete mir die Mitarbeiterin Frau Opitz während der kurzen Führung durch das Hospiz am Tag der offenen Tür. Im Hospiz muss und will man sich dem Tod stellen, das Sterben begleiten und würdig gestalten.

Meine diffuse Erwartung war, eine allgegenwärtige Trauer, gedrückte Stimmung und vielleicht sogar eine gewisse Resignation in den Räumen des Hauses zu spüren. Umso mehr erstaunte die freundliche Gelassenheit, ich spürte eine friedliche Ruhe – die gerade keine Friedhofsruhe ist. Man kann sich vorstellen, dass es in der Küche des Hospiz auch mal richtig wuselig zugeht, dass auch gescherzt, gemeinsam gelacht und gefeiert wird. Angst, wie viele Menschen sie vielleicht empfinden, wenn sie mit dem Sterben konfrontiert werden, macht sich hier nicht breit.

Das langjährige ehrenamtliche Engagement im Hospizwesen beeindruckt

Die Atmosphäre am Abend des Jubiläums war ebenfalls feierlich, über das Theaterstück konnten viele Zuschauer herzlich lachen. Bei der anschließenden Zusammenkunft wurde auf eine erfolgreiche Zeit zurückgeblickt, auf all die Dinge, die man gemeinsam aufgebaut hat. Den zahlreichen Mitstreitern der vergangenen Jahre – Hauptamtlichen wie Ehrenamtlichen – wurde gedankt. Und nach meiner Wahrnehmung gibt es im Diakonie-Hospiz Wannsee sehr viele solcher Mitstreiter.

Dieser Aspekt hat mich bei der Jubiläumsfeier wohl auch am meisten berührt, die zahlreichen Ehrenamtlichen, von denen sich einige bereits seit langer Zeit für das Hospiz und in der Sterbebegleitung engagieren. Einige hauptamtlich Mitarbeitende haben sogar zunächst als Ehrenamtliche begonnen, bevor sie die Sterbebegleitung zu ihrem Beruf machten. Es ist nicht selbstverständlich, sich einer Sache so langfristig zu verschreiben, sich einer Sache, die andere Menschen nur allzu gern verdrängen, immer wieder zu stellen. Ein solches Engagement verdient allgemein gesellschaftlichen Respekt. Meinen ganz persönlichen Respekt haben die im Hospizwesen tätigen Menschen, weil sie das Sterben als einen Teil des Lebens akzeptieren, ihm Sinn und Rahmen zu geben versuchen und der Trauer nicht ausweichen. Vielleicht entwickelt man gerade dann ein feines Gespür für die fröhlichen Momente, für die Schönheit, die das Leben bietet und eine Gelassenheit, sowohl das Leben wie auch das Sterben anzunehmen.

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