Zukunftssicherung des diakonischen Auftrags der Immanuel Diakonie

Interview mit Jürgen Roß, Vorsitzender des Kuratoriums der Immanuel Diakonie (entnommen der Immanuel Impuls 01_2011).
Jürgen Ross
Jürgen Roß, 53 Jahre, verheiratet, ein Sohn (17 Jahre), ist im „Hauptberuf“ Bereichsleiter für Planung und Fahrgastinformation beim VBB Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg GmbH. Er arbeitet in verschiedenen Aufgabenbereichen der baptisten.schöneberg mit und ist seit 1993 Mitglied der Gemeindeleitung und damit des Kuratoriums. Er mag klassische Musik, seinen kleinen Garten, fährt gerne Kanu und Fahrrad und findet es spannend und herausfordernd, wie sich trotz knapper Kassen wichtige Dienstleistungen für die Menschen wie Gesundheitswesen oder öffentlicher Nahverkehr entwickeln können.

Was wollen die baptisten.schöneberg mit der Immanuel Diakonie erreichen?

Als Christen haben wir den besonderen Auftrag, uns um hilfsbedürftige Menschen zu kümmern. Deshalb hat unsere Gemeinde mit der Immanuel Diakonie die Verantwortung für ein vielfältiges Angebot an Krankenhäusern sowie Betreuungs- und Pflegeeinrichtungen in Berlin, Brandenburg und darüber hinaus übernommen.

Wie schätzt das Kuratorium die Arbeit in der Immanuel Diakonie ein?

Die Anfänge der heutigen Gruppe liegen ja schon 60 Jahre zurück. Die Immanuel Diakonie hat aber vor allem in den vergangenen 20 Jahren eine enorme Entwicklung erleben dürfen und es wird heute in den sehr unterschiedlichen Aufgabenbereichen engagiert und erfolgreich gearbeitet.

Die Ergebnisse der Arbeit in den Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen, Beratungsstellen und Servicegesellschaften sind von hoher Qualität; das bestätigen die zahlreichen Menschen, die Leistungen der Einrichtungen in Anspruch nehmen und die Wahrnehmung in der Öffentlichkeit. Das Kuratorium ist für diese Entwicklung und erfolgreiche tägliche Arbeit aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sehr dankbar!

Was ist eigentlich das Kuratorium?

Das Kuratorium ist Vertreterin der Gesellschafterin der Immanuel Diakonie, also der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Berlin-Schöneberg, Hauptstraße (baptisten.schöneberg). Es berät und begleitet die Geschäftsführungen, arbeitet mit ihnen an der strategischen Ausrichtung und Weiterentwicklung der Gesellschaften, es bringt die Vorstellungen der Gemeinde zum diakonischen Profil ein und achtet auf die Umsetzung einer entsprechenden Unternehmensphilosophie.

Es nimmt darüber hinaus die typischen Aufgaben einer Gesellschafterversammlung war, wie sie im GmbH-Gesetz beschrieben sind. Das Kuratorium besteht aus den gewählten Mitgliedern der Gemeindeleitung der baptisten.schöneberg. Die Mitglieder sind zwischen Ende 20 und Mitte 60 Jahre alt und sind Betriebswirt, Architekt, Lehrer oder Theologen.

Das Kuratorium ist also kein Aufsichtsrat der Immanuel Diakonie?

Ein Aufsichtsrat hat in der Regel die Aufgabe, das Kapital einer Gesellschaft zu mehren. Dieses wirtschaftliche Ziel verfolgen die baptisten.schöneberg mit ihren diakonischen Einrichtungen nicht. Kein Cent, der in der Immanuel Diakonie erwirtschaftet wird, fließt in die Kirchgemeinde. Alles soll dazu dienen, die diakonische Arbeit und damit die Arbeitsplätze der rd. 2.450 Mitarbeiter in den 65 verschiedenen Einrichtungen des Sozial- und Gesundheitswesens langfristig zu sichern.

Welche Führungsstruktur soll eingeführt werden?

Damit die einzelnen Einrichtungen der Gruppe auch in der Zukunft gut und erfolgreich arbeiten können, bedarf es einer zukunftsorientierten Struktur in der gesamten Immanuel Diakonie. Das Kuratorium hat sich deshalb in den vergangenen zwei Jahren, auch unter Hinzuziehung externen Sachverstands, mit dieser künftigen organisatorischen und personellen Struktur sehr intensiv beschäftigt.

Dabei sind wir zu der Überzeugung gelangt, dass vor allem eine Stärkung der Eigenverantwortung der Leistungsträger in den einzelnen Gesellschaften und Einrichtungen eine wesentliche Voraussetzung für eine erfolgreiche Arbeit ist. Aus diesem Grund wird es Veränderungen in der Leitung der einzelnen Gesellschaften geben, auch die Aufgaben der Holdinggesellschaft werden sich verändern. Ziel ist ein guter Kompromiss aus einer einheitlichen Geschäftspolitik der Gruppe bei Entwicklung einer sinnvollen Eigenständigkeit der einzelnen Einrichtungen und Servicegesellschaften.

Konkret bedeutet dies, dass im Grundsatz alle Gesellschaften der Immanuel Diakonie künftig von zwei Geschäftsführern geführt werden sollen. Es gilt also ein Vier-Augen-Prinzip. Dabei übernimmt ein Geschäftsführer die operativen Aufgaben vor Ort – so eigenständig wie möglich –, der andere Geschäftsführer ist einer beider Geschäftsführer der Holding. Sie wird also auch zukünftig mit zwei Geschäftsführern besetzt sein; die beiden Geschäftsführer werden sich inhaltlichen Schwerpunkten widmen.

Welche Aufgaben haben die Geschäftsführer in den Gesellschaften und in der Holding?

Wichtig für eine erfolgreiche Arbeit in den einzelnen Gesellschaften ist eine große Nähe zu den Menschen, die unsere Angebote in Anspruch nehmen, zu den Mitarbeitern und den fachlichen bzw. regionalen Partnern. Dazu sind zeitnahe Entscheidungen vor Ort erforderlich. Zu den wichtigen Aufgaben vor Ort zählen:

  • Umfassende Verantwortung aus den Regelungen des GmbH-Gesetzes
  • Führung des Tagesgeschäfts
  • Berichtspflicht über Stand und Entwicklung der Leistungs- und Finanzplanung, Aufstellung des Jahresabschlusses sowie Steuerung der fachlichen und wirtschaftlichen Weiterentwicklung der Gesellschaft
  • Aufbereitung bzw. Präsentation quantitativer und qualitativer Ergebnisse für Holding und Kuratorium sowie Projektentwicklungen bzw. -initiierungen
  • Intensiver Dialog mit der Geschäftsführung der Holding und der anderen Gesellschaften sowie Diskussion strategischer Fragen mit dem Kuratorium
  • Einberufung und Durchführung von Leitungsrunden (z. B. Krankenhausleitungssitzungen)
  • Gestaltung von Zielvereinbarungen mit den Führungskräften (z. B. Chefärzte, Pflegedienst- und Einrichtungsleitungen)
  • Durchführung bzw. Vorbereitung von Personalentscheidungen

 

Demgegenüber wird sich die Geschäftsführung der Holding-Gesellschaft mit der strategischen und inhaltlichen Entwicklung sowie der ganzheitlichen Steuerung der Gruppe insgesamt beschäftigen. Aber auch die Vertretung der Gruppe gegenüber Politik, Verwaltung, Institutionen und Interessenpartnern gehört zu den Holdingaufgaben.

Das Kuratorium hat mit der Berufung der ersten Leitungspersönlichkeiten deutlich gemacht, dass ihm eine zeitnahe Umsetzung dieser neuen Konzeption wichtig ist: So wurde Herbert Blum per 18.10.2010 zum Geschäftsführer der Immanuel-Miteinander Leben GmbH berufen. Außerdem treten zum 01.01.2011 Dr. Robert Lange (hospital Laborverbund Brandenburg-Berlin GmbH), Michael Hoffmann (Hospital LogiServe GmbH), Kay-Uwe Sorgalla (Werkstück Raumgestaltung und Versorgungstechnik GmbH) und Alexander Mommert (Krankenhaus und Poliklinik Rüdersdorf GmbH) ihren Dienst als Geschäftsführer an. Derzeit nimmt Udo Schmidt mit diesen Personen jeweils die Geschäftsführung war. Weitere Entscheidungen sind derzeit Gegenstand intensiver Vorbereitungen bzw. Abstimmungen.

Welche Perspektive sehen Sie für die Immanuel Diakonie?

Wir erwarten und erhoffen uns, dass die Immanuel Diakonie anerkannter und erfolgreicher Partner im Gesundheits- und Sozialwesen bzw. im jeweiligen Dienstleistungssektor bleibt. Und wir in enger und vertrauensvoller Zusammenarbeit die Gruppe als Kooperation diakonischer Einrichtung, die sich über die Zuwendung zum Menschen definieren, sichern und, wo sinnvoll und nötig, auch entwickeln können.

 

 

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