Ralf Kant: 489 Monate Immanuel Diakonie

Am 1. Juli 1973 begann der gebürtige Zehlendorfer Ralf Kant seine Tätigkeit bei der Immanuel Diakonie: in der „Urstätte“, dem Hospital Feierabendheim in Berlin-Schöneberg. Nach sechs Monaten wechselte er in das Immanuel Krankenhaus Berlin an den Kleinen Wannsee, wo er für 25 Jahre die Finanzbuchhaltung leitete. 1998 baute er dann die neue Abteilung „Controlling und Finanzen“ auf, die er bis zu seinem Dienstende anführte. Am 31. Januar 2014 hat er seinen letzten Arbeitstag am Schreibtisch, am 31. März 2014 endet seine Dienstzeit nach 40 Jahren und 9 Monaten.

Ralf Kant 

Wie kamen Sie zur Immanuel Diakonie?

Nach meiner Ausbildung als Verwaltungsangestellter im Bezirksamt Steglitz hatte ich mich für die Aufstellung des Haushaltsplans qualifiziert. Ich konnte es mir aber niemals vorstellen, wir waren ja in den 68er Jahren, Beamter zu werden. Mit dieser Grundeinstellung war mir eine interessante Laufbahn in der Behörde verbaut.

Nach 6 Jahren Erfahrungsaufbau bei der öffentlichen Hand kam die Anfrage aus der Immanuel Diakonie genau zur richtigen Zeit. Ich wurde „auf der Straße“ von Karl-Heinz Stürkat angesprochen, dem damaligen Hausmeister im Immanuel Krankenhaus. Dann ging alles ganz schnell mit Auflösungsvertrag und Arbeitsvertrag; und bemerkenswert: Ich durfte noch in der Probezeit meinen lang geplanten vierwöchigen Urlaub in Kanada antreten.

Wie war die Arbeit im „alten“ West-Berlin?

Es war die „gute alte Zeit“ im Dornröschenschlaf im Schatten der Mauer. Man wurde in Ruhe gelassen, die Arbeit war bequem schaffbar.

Was man sich heute kaum noch vorstellen kann: In meinen Anfangsjahren gab es alle 14 Tage verbindliche Samstagsarbeit außerhalb des gewohnten Arbeitsbereiches. So habe ich z.B. zwischen 8.00 und 12.00 Uhr händisch die Verbindungen in der Telefonzentrale gesteckt.

Wie haben Sie die technische Entwicklung erlebt?

Anfänglich arbeiteten wir ohne einen Kopierer. Die Schreibmaschine brauchte noch das Blaupapier für die Durchschläge. Es gab einen einzigen manuellen Buchungsautomaten von Taylorix für die Finanzbuchhaltung, damals war das „State of the Art“, mit Karteikarten je nach Kostenart.

Ende der 70er wurde dann auf EDV umgestellt; mit großen Magnetplatten (Sohn, Vater, Großvater) für Finanzbuchhaltung und Lohnrechnung. Intern gab es nur einen Rechner. Es war also immer wichtig festzulegen, wann wer arbeiten durfte. 1987 kam dann die erste neuzeitliche EDV mit Nixdorf, 1996/1997 dann die Einführung von SAP.

Bei jedem Umstieg hieß es: (Neu)Einrichtung der Kontenpläne und Schulungen, Schulungen.

Soll und Haben

Was geschah ab 1990?

Mit der politischen Wende begann die Wachstumsphase der Immanuel Diakonie. Ich erinnere mich noch gut an die Zeit nach der Übernahme des Krankenhauses in Rüdersdorf. Für vier Wochen sollte ich 1991 dort „helfen“. Der Weg dahin war schon eine Herausforderung für meinen 20 Jahre alten privaten VW Käfer. In der Anfangszeit hieß es mitunter „Tag und Nacht“ arbeiten, erst am Freitag fuhr ich wieder nach Hause.

Aus den vier Wochen wurden viele Jahre Zusammenarbeit in enger Verzahnung.

Was war das Besondere an der Arbeit in der Immanuel Diakonie?

Für mich war wichtig, dass ich meinen Arbeitsplatz und meine Arbeit stets selbst einteilen konnte; dass ich ohne von internen, einengenden Vorschriften bestimmt zu werden, einem eigenständigen Arbeiten nachgehen konnte; und dass ich des Vertrauens meines Arbeitgebers Gewiss sein konnte.

Was ist Ihre Grundmotivation?

Ich bin durch und durch ein „Zahlenmensch“. Das Schöne ist: Viele Wege führen zum Ergebnis, ganz im Gegensatz zur Sprache.

Für mich ist es wichtig, jede Herausforderung ehrgeizig anzunehmen. Hier habe ich von unserem ersten Wirtschaftsprüfer eine wichtige Lebensregel mitgenommen: Die Dinge korrekt vorzunehmen und stets Verprobungen anzustellen.

Was möchten Sie weitergeben?

Jeder sollte seine eigenen beruflichen Erfahrungen sammeln können und wollen. Die „nachwachsende“ Generation sollte meines Erachtens mehr trainieren, die Dinge wieder im eigenen Kopf „abspeichern“ zu können, anstelle des Vertrauens auf den richtigen Ablageort oder den richtigen „Spickzettel“.

Ernte

Was werden Sie nun jeden Tag machen, wenn die Arbeit nicht mehr ruft?

Ich werde weiterhin meine ehrenamtlichen Tätigkeiten fortsetzen und mich mit meinen Kompetenzen einbringen. Ich engagiere mich als Schatzmeister für die Buchhaltung im Martin-Luther-King Haus Schmiedeberg. Ich unterstütze nach meinen Möglichkeiten die mir nahestehende Gemeindeleiterin der baptisten.wannsee. Ich werde das Diakonie-Hospiz Wansee mit einer festen Anzahl von Stunden im Finanzwesen begleiten.

Und ich freue mich auf intensivere und ausgiebigere Freizeit in unserem Ferienhaus im Weserbergland.

Vielen Dank für das Gespräch!

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