„Einfach mal über den Tellerrand schauen“

Lisa, Auszubildende der Immanuel Klinik Rüdersdorf, berichtet über ihr Praktikum in Österreich und warum es sich lohnt, über seinen Schatten zu springen.

Mein Name ist Lisa, ich bin 22 Jahre alt, mache eine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin in der Immanuel Klinik Rüdersdorf und befinde mich derzeit im dritten Ausbildungsjahr. In diesem Rahmen durfte ich ein vierwöchiges Wahlpraktikum absolvieren, welches durch Vividus International unterstützt wurde. Dieses Praktikum tätigte ich am Universitätsklinikum/Landeskrankenhaus Salzburg in Österreich auf der Chirurgie West 3A.

Universitätsklinikum Salzburg

Ich habe mich am ersten Tag des Jahres 2018 mit dem Auto auf den Weg gemacht und nach etwa neun Stunden Fahrt mein Ziel erreicht. Ich hatte mir selbst über ein Onlineportal eine Wohnung gesucht. Leider war meine eigentliche Unterkunft erst zwei Tage später verfügbar, also suchte ich eine Zwischenunterkunft. Diese war leider alles andere als sauber und lag, wie die Zeitung Die Presse einmal schrieb, in „Salzburgs dunkle(m) Hinterhof“. Meine Stimmung war also alles andere als gut. Ich war sehr traurig und wollte am liebsten wieder nach Hause. Doch das tat ich zum Glück nicht!

Schon am nächsten Tag war mein erster Arbeitstag. Ich war sehr nervös. Doch schon beim Betreten der Station verflog die Nervosität, denn ich wurde sehr herzlich begrüßt und willkommen geheißen. Ich erhielt meine Arbeitskleidung und die restlichen Formalitäten wurden geklärt. Dann ging es endlich los: Ich wurde einer Schwester zugeteilt, die mir zunächst die Station ausführlich zeigte und sich Zeit nahm, meine Fragen zu beantworten. Im Anschluss stiegen wir in den Arbeitsalltag ein. Die Zeit verging wie im Flug und ich war schon fast traurig, als mein erster Tag nach acht Stunden endete. Ich war so glücklich, so herzlich aufgenommen worden zu sein, und gespannt, was die nächsten Wochen so mit sich bringen würden.

Meine zweite Wohnung war perfekt, zwar etwas außerhalb von Salzburg, aber das hatte ich ja so gewollt. Die Arbeit machte nach wie vor großen Spaß und ich konnte unglaublich viel lernen. Am Anfang war es noch eine Umstellung – schließlich gab es andere Pflegestandards, die Medikamente hießen anders und ich verstand den Dialekt meiner Kollegen nicht immer – aber alle waren sehr bemüht, dass es mir gut ging und ich viel Wissenswertes mitnehmen konnte.

Ich durfte gemäß meines Ausbildungsstandes sämtliche pflegerische Tätigkeiten, wie Wundversorgung, Umgang mit Medikamenten und Infusionen sowie prä- und postoperative Pflege durchführen und hatte sogar die Möglichkeit, auf eigenen Wunsch einen Tag auf der Intensivstation zu arbeiten. Vergleichend würde ich sagen, dass ich sowohl in der Immanuel Klinik als auch am Universitätsklinikum die gleichen Aufgaben erledigen konnte.

Die Zeit verging wie im Flug

Die Zwölf-Stunden-Schichten waren, entgegen meiner Erwartung, keine allzu große Umstellung. Die Zeit verging wie im Flug und ich hatte ja schließlich eine Stunde Mittagspause, in welcher ich mich im Ruheraum nach dem Mittagessen entspannen konnte. Durch die langen Schichten hatte ich außerdem viel mehr freie Tage, welche ich nutzte, um mir Salzburg und Umgebung anzusehen, mehrfach etwas mit meinen Kollegen zu unternehmen, Ski zu fahren und zu wandern. Die Landschaft in Österreich ist ein einziger Traum!

Salzburg

Deutschland und Österreich haben zwar dieselbe Sprache, unterscheiden sich aber dennoch in vielen Dingen. Ich persönlich finde zum Beispiel, dass die Österreicher viel offener gegenüber anderen Menschen sind als die Deutschen. Ich habe das Gefühl, dass die Deutschen ein bisschen mehr Zeit brauchen um „warm“ zu werden. Des Weiteren ist der Fachkräftemangel in Österreich noch nicht so ausgeprägt wie in Deutschland, was sich positiv auf die Versorgung der Patienten auswirkt.

Am Universitätsklinikum wird sowohl mit der elektronischen als auch mit der Papierkrankenakte gearbeitet, in die Immanuel Klinik Rüdersdorf gibt es nur die elektronische Patientenakte, was ich persönlich besser finde, denn so hat man die wichtigsten Informationen des Patienten auf einen Blick.

Ich persönlich kann jedem ein Praktikum empfehlen. Man entwickelt sich auf so vielen Ebenen weiter. Ich bin jetzt noch selbstständiger, bin in meinen Fähigkeiten bestärkt worden, traue mir mehr zu und bin selbstsicherer aus diesem Praktikum hervorgegangen. Ich kann nur jedem empfehlen, über seinen Schatten zu springen und diesen Schritt zu gehen – einfach mal über den Tellerrand hinauszublicken! Es sind Erfahrungen, die einem keiner nehmen kann. Außerdem vergehen vier Wochen sehr schnell und durch den heutigen technologischen Fortschritt kann man sogar fast persönlich mit seinen Lieben daheim in Kontakt bleiben.

Vielen Dank an alle Beteiligten für diese Möglichkeit!

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