Diakonische Zeitrechnung – Canan Kinaci

Kinaci im Team
Canan Kinaci (die zweite  von rechts im Team des Personalmanagements) arbeitet seit 25 Jahren in der Immanuel Diakonie. Mit 16 Jahren kam sie aus der Stadt Lüleburgaz in der türkischen Region Ostthrakien ins damalige West-Berlin. Ihre Ausbildung begann sie im Immanuel Krankenhaus Berlin unter der Obhut ihrer Kollegin Helga Holstein, ihr offizieller Ausbilder war der Meister Kay-Uwe Sorgalla. Frau Kinaci betreut heute im Personalmanagement der Immanuel Diakonie die Beschäftigen des Immanuel Krankenhauses Berlin und des Diakonie-Hospiz Wannsee. Darüber hinaus ist sie seit 1996 auch als zertifizierte Ausbilderin tätig.

Was geschah am 18. April 1988?

An meinem ersten Arbeitstag kam ich extra vor der Zeit, ich wollte ja keinen schlechten Eindruck hinterlassen. Irgendwie hatte der damalige Verwaltungsleiter wohl diesen Termin übersehen. Als ich nach 2 ½ Stunden dann endlich zum Gespräch eingeladen wurde, begann dieses mit den Worten: „Frau Yener (so hieß ich damals noch), nachdem Sie nun das Warten gelernt haben, werden Sie alles andere bei uns auch noch lernen!“

Inwieweit ging man auf Sie als Migrantin ein?

In meiner ersten Zeit war ich noch stark in meinen Deutschkenntnissen eingeschränkt, Deutsch hatte ich ja erst mit 16 gelernt und ich war ja noch zarte 18. Herr Schmidt nahm sich viel Zeit, um mich in die „Welt der Buchführung und Bilanzen“ einzuführen. Was ich ihm nicht zu verraten traute, war die Tatsache, dass ich nahezu nichts von dem verstand, was er mir intensivst erklärte. Aber irgendwie ist wohl doch etwas von den „T-Konten“ haften geblieben: In Wirtschaftsrechnen hatte ich in meinem Abschlusszeugnis dann eine Eins – jetzt bilde ich aus.

War es irgendwann einmal Thema, dass Sie gläubige Muslima sind?

Meine Kolleginnen wissen um meine religiöse Einstellung. Meine Religion, die ich auch praktiziere, war und ist aber nie unmittelbarer Gegenstand irgendwelcher Gespräche. Ich wurde in den letzten Jahren auch nicht „missioniert“. Mir ist es wichtig, bei einem Träger zu sein, bei dem Glauben eine Rolle spielt. Ein Leben ohne Religion kann ich mir nicht vorstellen.

Sie kennen noch die „kleine“ Immanuel Diakonie mit 2 Einrichtungen, dem Krankenhaus in Wannsee und dem Hospital Feierabendheim in Schöneberg. Wie haben Sie die Entwicklung erlebt?

Dadurch, dass immer mehr Häuser hinzukamen, wurden natürlich auch die Aufgaben immer mehr. Es gab neue Herausforderungen, inhaltliche Differenzierung, mit denen wir erfahrener geworden sind. Wir sind jetzt schlauer als früher. Wir mussten unsere Betriebsblindheit zwangsweise überwinden. Es fehlen mitunter die persönlichen Kontakte, man kennt nicht mehr alle, die wir betreuen.

Wie verbinden Sie Beruf und Familie?

Es muss ein Leben neben der Berufstätigkeit geben. Deshalb habe ich seit vielen Jahren eine Teilzeitstelle. Und ich halte das auch konsequent durch. Ich verbringe ja gerne Zeit mit meinem Mann, unseren beiden Kindern und unserem Hund oder treibe Sport. Die Arbeit ist wichtig – aber eben nicht nur.

Vielen Dank für das Gespräch!

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